Evangelische Militärseelsorge besucht Soldatenfriedhof Neckenmarkt

Am 8. Juni 2022 lud der evangelische Militärseelsorger beim Militärkommando Burgenland, Militär-Oberpfarrer Mag. Wilfried Schey die evangelischen Bundesheer-Angehörigen des Burgenlandes zu einem Seelsorge-Tag ein. Fünfzehn Damen und Herren waren dem Ruf zum Treffen nach Weppersdorf gefolgt.

Ortspfarrer Stefan Grauwald empfing die Gäste mit Kaffee, unter die sich sogar der Superintendent des Burgenlandes, Robert Jonischkeit gesellte. Der Seelsorgetag begann mit einem Gottesdienst in der Kirche von Weppersdorf, gehalten von Militärlektorin Gerda Haffer-Hochrainer. Anschließend wurde dem Vizeleutnant i.R. Reinhold Kern aus Kukmirn das Ehrenkreuz der evangelischen Militärseelsorge verliehen für seine Verdienste, die er sich als Angehöriger des Jägerbataillons 19 in Güssing um die Militärseelsorge erworben hatte.

Danach begann der zivile Teil der Veranstaltung mit dem Besuch des Soldatenfriedhofs des ehemaligen k.u.k. Kriegsgefangenen- und Interniertenlagers Neckenmarkt. LGF Wildberger erklärte Geschichte und Ausdehnung dieses Lagers, in dem über 17.000 Gefangene und Zivilinternierte, letztere aus Bosnien-Herzegowina, untergebracht waren. Das Lager war quasi wie eine eigene Kleinstadt organisiert mit Kommandantur, Spital, Wasserturm, Werkstätten, Schule für die Kinder der Internierten und auch mit der ersten orthodoxen Kirche auf burgenländischem Boden. Am Friedhof selbst fiel besonders der Gedenkstein für die etwa 100 im Lager verstorbenen italienischen Kriegsgefangenen ins Auge. Der Friedhof ist das einzige, was noch vom Lager übrig geblieben ist. Dort, wo einst 250 Baracken standen, dehnen sich unzählige Weingärten aus, in denen der hervorragende Neckenmarkter Blaufränkische bestens gedeiht.

Militär-Oberpfarrer Schey verwies auch auf das Schicksal der lediglich wenige Kilometer entfernt wohnhaft gewesenen deutschsprachigen Bevölkerung der in Ungarn liegenden Ortschaft Harka, die nach dem Zweiten Weltkrieg wie viele andere auch aus Ungarn ausgesiedelt und nach Deutschland verfrachtet wurde.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Gasthaus „Zur Traube“ ging die Fahrt weiter nach Deutschkreutz. Dort erklärte der Historiker Dr. Adalbert Putz das Schicksal der jüdischen Bevölkerung dieser Marktgemeinde, die schnellstens nach dem so genannten Anschluss 1938 vertrieben worden war.

Der Tag endete mit einem Ausklang in der Weinbaugemeinde Horitschon.

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Die Teilnehmer am Seelsorgetag vor der Kirche in Weppersdorf; ganz links Superintendent Robert Jonischkeit
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Militär-Lektorin Gerda Haffer-Hochrainer bei der Predigt
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Landesgeschäftsführer Wildberger und Militär-Oberpfarrer Schey am Soldatenfriedhof Neckenmark
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Die Teilnehmer am Denkmal für die jüdische Gemeinde in Deutschkreutz, rechts Dr. Putz