Wissenschaftliches Symposium an der Landesverteidigungsakademie

Erstellt von Alexander Barthou, GS |

ie Landesverteidigungsakademie lud gemeinsam mit dem ÖSK, dem Ludwig-Boltzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung (BIK) und der Österreichischen Gesellschaft für Heereskunde zu einem Symposium in die Sala Terrena der Wiener Stiftskaserne. Zum wiederholten Male erhielt hierbei die wehrpolitische Zusammenarbeit zwischen Heer und ÖSK eine Bestätigung, die auch den künftig einzuschlagenden Weg der Neuorientierung bei der Information über die Kriegsgräberfürsorge unterstreichen sollte. Dies als Anliegen die Brücke zur jungen Generation zu schlagen, die keinen direkten Bezug mehr zum Krieg und der Nachkriegszeit hat.

Als Thema war „Kriegsgefangenen- und Vermisstenforschung unter Einbeziehung geheimdienstlicher Tätigkeiten“ in der Einladung angezeigt. Ein voll besetzter Saal zeigte das Interesse von diplomatischen Vertretern wie Botschafter, Militärattachés aus der EU und einer großen Anzahl von Offizieren und weiteren Gästen aus dem kulturellen und wirtschaftlichen Bereich.

Über allen Ansprachen und Referaten stand der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine und dessen Auswirkungen auch hinsichtlich der neuerlichen Anlage von Kriegsopfern – Soldatenfriedhöfen in den Kampfgebieten. Auf dieses Thema gingen auch der stellvertretende Akademiekommandant Brigadier Mag. Reinhard Schöberl und in Vertretung des ÖSK-Präsidenten der 1. Stellvertreter Univ. Prof. Dr. Dr.h.c. Stefan Karner ein, wobei auch das Leitbild des ÖSK als „Arbeit für den Frieden“ hervorgehoben wurde.
Der 1. Vortrag des Symposiums, gehalten vom Vizepräsidenten des ÖSK, beinhaltete „Österreicher in alliierter Hand“. Seit 1990 beschäftigte sich das BIK mit der Nachforschung nach Kriegsgefangenen 2.WK in der Sowjetunion, mit dem Ziel Angehörigen Gewissheit und somit Abschluss über deren Schicksal zu verschaffen. Hier wurde auch die Zusammenarbeit mit dem ÖSK als besonders hilfreich hervorgehoben.
Mag. Dieter Bacher, ebenfalls ein Vertreter des BIK referierte zum Thema „Wringer“ (umgangssprachlich „ausquetschen“). Eine bis dato eher stiefmütterlich bis gar nicht behandelte Seite zur Befragung heimkehrender Kriegsgefangener aus dem Osten. Westliche Geheimdienste versprachen sich davon Detailinformationen über sowjetische Lager, Fabriken, deren Führung und Kapazitäten. In Österreich wurden damals 3.717 Befragungen dieser Art vorgenommen.
Hofrat i.R. Dozent Dr. Erwin Schmidl beleuchtete das Thema „Kriegsgefangene“ in unterschiedlichen Aspekten. Als „Arbeitskraft, „Tausch- oder Handelsware“ oder zur Propaganda und als psychologische Kriegsführung. Auch seien Heimkehrer aus dem 1. Und 2. Weltkrieg teilweise als Feiglinge, Deserteure oder Verräter angesehen worden, die in der Heimat vor dem Nichts gestanden waren!
Die abschließende Fragestunde gestaltete sich überaus lebhaft. Die Vortragenden spannten in ihren Antworten neuerlich einen Bogen zum derzeitigen Konflikt in der Ukraine. Hierbei erwies sich, dass Kriegsgefangenen – und Vermisstenforschung nicht allein der Aufarbeitung von Geschehnissen dient, sondern auch einen Beitrag zum aktuellen Bewusstsein leisten kann und muss.  

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Sala Terrena: ÖSK Vizepräsident Dr. Stefan Karner und die Moderatorin der Veranstaltung Mag. Ute Axmann
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Die Vortragenden beim Symposium