Sardinien: Unvergessen bleibt das Schicksal der k.u.k. Kriegsgefangenen

Erstellt von Präsident Peter Rieser |

Sardinien ist als beliebtes italienisches Urlaubsparadies bekannt. Die Wenigsten kennen aber die Geschichte über die Schicksale der tausenden Kriegsgefangenen der k.u.k. Armee vor über 100 Jahren. Auf Sardinien wurde im Ersten Weltkrieg zwar nicht gekämpft, jedoch wurde auf der nördlich vorgelagerten italienischen Insel Asinara, die zur Gemeinde Porto Torres der Metropolitanstadt Sassari gehört, ein großes Gefangenenlager eingerichtet.

 

Die aufgrund Wassermangels stark verkarstete Insel Asinara, auch Teufelsinsel genannt, diente in der Zeit des Ersten Weltkrieges als Quarantänegebiet und ist heute ein Nationalpark.

Soldaten des Serbien-Feldzuges
Bei den auf Asinara Gefangenen handelte es sich überwiegend um Soldaten des Serbien-Feldzuges der Mittelmächte. Ende 1914 befanden sich zwischen 60.000 und 70.000 österr.-ung. Soldaten in serbischer Hand, darunter ca. 20.000 Soldaten slawischer Herkunft. Das kleine Serbien war in keiner Weise darauf vorbereitet, mit einer so großen Menge Gefangener umzugehen. Es gab keine vorbereiteten Lager, keine Verpflegung, und dazu waren viele Soldaten verwundet und an Infektionskrankheiten wie Typhus, Ruhr und Pocken erkrankt. Es ist daher auch nicht verwunderlich, dass bereits in den Wintermonaten 1914/1915 die Hälfte der in serbischer Hand befindlichen Gefangenen an Kälte, Hunger, Tuberkulose, Verwundungen und Typhusepidemie verstorben sind. Die Serbische Armee zog sich über Montenegro nach Albanien an das Meer zurück, mit ihnen die österr.-ung. Gefangenen. Auf dem Weg nach Shengjin/Albanien starben bereits Tausende an Cholera. Auf der Überfahrt nach Sardinien, im Januar 1916, kamen weitere 1.500 Gefangene zu Tode. An die 24.000 erreichten das italienische Lager auf der Nachbarinsel Asinara. Dieses Lager war aber auf eine solche Anzahl von Gefangenen keineswegs ausgerichtet. Schon in den ersten drei Monaten starben weitere 7.000 k.u.k. Soldaten. Im Sommer 1916 wurden 16.000 Gefangene an Frankreich übergeben. Im Laufe des Ersten Weltkrieges kamen immer wieder weitere in Gefangenschaft geratene Soldaten auf die Insel. Jene Personen, die gesundheitlich in der Lage waren, wurden im Straßenbau, in der Landwirtschaft und für Minenarbeiten eingesetzt.
 
Museum für „Militärische Geschichte“ eröffnet
Im neuen Museum für „Militärische Geschichte“, eröffnet im Beisein der ÖSK-Delegation, wurde das Schicksal der Gefangenen durch Historiker aufgearbeitet. Zahlreiche persönliche Erinnerungen von den verstorbenen Gefangenen, wie Briefe, die nie versandt wurden, aber auch Briefe aus der Heimat, Zeichnungen und Schnitzereien, können dort besichtigt werden. Niederschriften erinnern auch daran, dass die Gefangenen nicht selten, wenn sie spürten, am Ende ihres Lebens zu sein, hinausgingen, um alleine im Karst die letzten Stunden zu verbringen. Den Kameraden blieb dann nichts anderes übrig, als die Toten aufzufinden und zu bestatten. 
Durch die Gemeinde Iglesias unter Einbindung der Jugend sowie Persönlichkeiten der Stadt wurde unter der Verantwortlichkeit von Bürgermeister Mauro Usai ein Park der Erinnerung gestaltet. 
Das Leopold Kreuz, ursprünglich für Asinara bestimmt und in Tirol angefertigt, wurde mit Zustimmung der ÖSK-Landesgeschäftsstelle Tirol unter Hermann Hotter durch die Gemeinde zur Aufstellung nach Iglesias verlegt. Zahlreiche Honoratioren wie der Abgeordnete zum italienischen Parlament Giulio Calvisi aus Rom, Avvocata Patrizia Giranu von der Associazione Nazionale Combattenti e Reduci sowie der Generalsekretär von Nastro Azzurro Domenico Caccia, nahmen an diesen Feierlichkeiten teil. 
Aktiv waren auch Abordnungen des italienischen Militärs und der Polizei daran beteiligt. Das ÖSK war mit Präsident Peter Rieser, LGF Hermann Hotter, Josef Baumgartner, das Südtiroler Schwarze Kreuz mit Präsident Hans Duffek und der Bund der Tiroler Schützen mit Andreas Raas vertreten. Durch die Landesgeschäftsstelle Tirol des ÖSK ist beabsichtigt, noch in diesem Jahr ein Gedenkkreuz in Asinara zu errichten. Die Bewilligung der Behörden liegt vor. 

Soldatenkapelle wird restauriert
Die auf Asinara von Gefangenen errichtete Soldatenkapelle soll durch die Tiroler Schützen einer Restaurierung unterzogen werden. Andreas Raas vom Bund der Tiroler Schützen wird die notwendigen Maßnahmen einleiten. Ebenso muss das schadhafte Gebeinhaus auf der Insel restauriert werden. Wegen der Finanzierung laufen derzeit diplomatische Gespräche in Rom. Aus österreichischer Sicht kann diesbezüglich auf Artikel 171 und 172 des Friedensvertrages von St. Germain-en-Laye 1919 hingewiesen werden. Über 100 Jahre sind vergangen, seit die Kriegsgefangenen auf dieser schicksalbehafteten Insel Leid und Tod, aber auch die Hoffnung des Überlebens, vor Augen gehabt haben.  Wir sind nunmehr die dritte Generation danach und haben Großteils nur Frieden in Europa erlebt.

„Wer aber vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart. Wer sich der Unmenschlichkeit nicht erinnern will, der wird wieder anfällig für neue Ansteckungsgefahren.“ (Zitat: Richard von Weizsäcker)

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ÖSK-Präsident ÖkRat Peter Rieser bei seiner Ansprache
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Das Leopold-Kreuz
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ÖSK-Präsident ÖkRat Peter Rieser überreicht Bgm. Mauro Usai eine ÖSK-Auszeichnung.