ÖSTERREICHISCHES SCHWARZES KREUZ -
KRIEGSGRÄBERFÜRSORGE

VERSÖHNUNG ÜBER DEN GRÄBERN

Schlacht um Verdun – erste Skulptur eines deutschen Soldaten gesegnet

Die Schlacht um Verdun gilt als die längste und eine der blutigsten Schlachten des Ersten Weltkrieges. Vom 21. Februar bis 19. Dezember 1916 lieferten sich deutsche und französische Truppen an der Westfront einen erbitterten Stellungskrieg. Die über 300 Tage dauernden Kämpfe forderten schätzungsweise über 700.000 Tote und Verwundete.
Ganze Ortschaften wurden komplett zerstört, so wie auch Fleury-devant-Douaumont. Wegen seiner Lage zwischen den deutschen und französischen Stellungen wurde das kleine Dorf ständig beschossen und in Trümmer gelegt. In diesem Territorium schlugen statistisch gesehen während der zehnmonatigen Schlacht pro Quadratmeter sechs Granaten unterschiedlichstem Kaliber ein. Es zählt heute zu den insgesamt neun zerstörten Dörfern rund um Verdun, die nach der Schlacht von 1916 nicht wiederaufgebaut wurden. Daran, dass hier einst Menschen lebten, erinnern gekennzeichnete ehemalige Straßenzüge und Gebäude sowie verschiedene mehrsprachige Monumente. In jedem der zerstörten Orte wurde auch eine Kapelle „Notre Dame de l´Europe“ errichtet.

Skulptur „Mahlstrom“

In Erinnerung an die schreckliche Schlacht hat die Reservistenkameradschaft Püttlingen, welche seit vielen Jahren auch freiwillige Arbeitseinsätze auf Soldatenfriedhöfen in Oberösterreich durchführt, in Fleury ein neues Mahnmal errichtet.
„Als ich vor einigen Jahren die Skulptur ‚Der Splittermann‘ von Reiner F. Schulz in Beine-Nauroy bewundern durfte, wuchs in mir der Wunsch, auch eine solche für Fleury schaffen zu lassen“, so Bernd Länger, der Vorsitzende der Reservistenkameradschaft (RK) Püttlingen, der zudem seit 20 Jahren in enger Verbindung mit dem Bürgermeister des zerstörten Dorfes steht.

Skulptur „Mahlstrom“ (Bild: Thomas Dillschneider)

Regelrecht von einem „Mahlstrom“ erfasst wurden vor 110 Jahren Menschen, Gebäude, Tiere und Landschaft – daher der gleichlautende Name der Skulptur. Diese besteht aus Beton und Stahl, den wichtigsten Materialien des Ersten Weltkrieges – mit Stahl griff man an, mit Beton schützte man sich.
Granatsplitter aus Stahl stellen einen französischen Soldaten dar, ein deutscher Soldat stürmt auf ihn zu. Je nach Perspektive des Betrachters sieht man mal einen der beiden Soldaten, dann auch einen Helm oder einfach nur zusammenhangloses rostiges Eisen. Das acht Meter lange Kunstwerk wurde eingebettet in einen Granattrichter, dort wo einst ein Bauernhof stand. Zum ersten Mal wird ein deutscher Soldat in einer Gedenkstätte um Verdun dargestellt.

Errichtet wurde die Skulptur durch Kameraden der RK Püttlingen in Zusammenarbeit mit dem Künstler Reiner F. Schulz und dem Bürgermeister von Fleury, Jean-Pierre Laparra. Die Gemeinde Fleury übernahm die Kosten für den Cortenstahl, das restliche Bauwerk wurde durch zahlreiche Spenden diverser Vereine und Verbände sowie zahlreicher privater Gönner finanziert. Künstler Reiner F. Schulz, dem dieses Projekt sehr am Herzen lag, verzichtet gänzlich auf eine Bezahlung seiner Arbeitsleistung.

Vor dem Denkmal, v. li.: der Kommandeur Landeskommando Saarland Oberst Michael Kopp, LGF Johannes Kainzbauer, Bernd Längler, Bgm. Jean-Pierre Laparra, Karl Freudenstein, Künstler Reiner F. Schulz (Bild: Thomas Dillschneider)

Segnung

Bürgermeister Jean-Pierre Laparra (re.) und Bernd Längler bei der Begrüßung der Teilnehmer (Bild: Kainzbauer)

Am Sonntag, 5. Juli 2026, wurde das Denkmal im Beisein von zahlreichen Teilnehmern aus Deutschland, Frankreich und Österreich feierlich gesegnet. Mit dabei waren der Landesgeschäftsführer des Schwarzen Kreuzes Oberösterreich Brigadier a. D. Dr. Johannes Kainzbauer und der 97-jährige ehemalige Konferenzdolmetscher des Bundesministeriums der Verteidigung der BRD Karl Freudenstein, der bereits seit dem Jahr 2010 an den jährlichen Gedenkfeiern teilgenommen hat und ins Französische dolmetschte.

Heilige Messe bei der Kapelle „Notre Dame de l´Europe“ (Bild: Thomas Dillschneider)
Landesgeschäftsführer Kainzbauer bei seinen Grußworten (Bild: Thomas Dillschneider)
Bei der Segnung der Skulptur, v. li.: LGF Johannes Kainzbauer, Dolmetscherin Amélie Zemlin-Kohlberger, Oberst Michael Kopp, der Vorsitzende der Reservistenkameradschaft Püttlingen Bernd Längler, Stefan Brust (Bild: ÖSK)
Kranzniederlegung am Denkmal der Gefallenen aus Fleury (Bild: Thomas Dillschneider)
LGF Kainzbauer beim Niederlegen des Kranzes des Schwarzen Kreuzes (Bild: Thomas Dillschneider)
Teilnehmende Fahnenabordnungen (Bild: Kainzbauer)

Kainzbauer führte in seinen Grußworten u. a. Folgendes aus: „Das heute enthüllte Denkmal soll ein Zeichen dafür sein, dass die Völker Europas aus den Tragödien der Vergangenheit zu Partnern und Freunden geworden sind. Die europäische Friedensordnung und die Zusammenarbeit zwischen unseren Nationen sind keine Selbstverständlichkeiten. Sie verlangen Verantwortung, Dialog und den festen Willen, Konflikte auf friedlichem Wege zu lösen“.

Bernd Längler gilt ein besonderes Dankeschön für die Initiative zum „Mahlstrom“ sowie der Organisation der bedeutenden Einweihungsfeier.

Die Skulptur soll nicht nur ein Mahnmal sein, sie soll auch die Hoffnung ausdrücken, dass nach einem schrecklichen Krieg eine Versöhnung zwischen Nationen möglich ist.