Das heurige Jahr wird durch das großartige Engagement der Freiwilligen Feuerwehr mit ihren Jungfeuerwehrmitgliedern und deren Betreuerstab einen ganz besonderen Platz in unserer Vereinschronik einnehmen. Was die Jugendlichen in diesem Jahr geleistet haben, ist einzigartig in der Geschichte der Landesgeschäftsstelle Oberösterreich des ÖSK.
Mit den zeitgleichen, freiwilligen Arbeitseinsätzen im In- und Ausland haben die Jugendlichen ein lebendiges Denkmal der Völkerverständigung geschaffen. Der parallele Einsatz der oberösterreichischen Feuerwehrjugend auf Soldatenfriedhöfen in Polen sowie der FF Halstenbek in Zusammenarbeit mit der FF Hartkirchen auf dem Soldatenfriedhof in Hartkirchen-Deinham ist eine historische Premiere, auf die wir alle mehr als stolz sein können.
OÖ Feuerwehrjugend pflegte Kriegsgräberanlagen in Polen
Seit über fünfzig Jahren ist die oberösterreichische Feuerwehrjugend in enger Zusammenarbeit mit dem Schwarzen Kreuz OÖ bei der Kriegsgräberpflege auf Soldatenfriedhöfen des Ersten Weltkrieges, vorwiegend in Südtirol, Italien und Kleinpolen (Malopolska), eingesetzt. Das Ziel dieser Aktion ist es, den Jugendlichen im Zuge ihrer Arbeiten auf den verschiedenen Soldatenfriedhöfen die Sinnlosigkeit von Kriegen und der damit verbundenen zahlreichen Opfer bewusst vor Augen zu führen.
Bereits zum vierten Mal reisten 24 Jungfeuerwehrmitglieder aus ganz Oberösterreich nach Kleinpolen.
Begleitet von neun Betreuern machten sie sich am Sonntag, den 26. Juli 2026, mit drei Fahrzeugen auf den Weg in die rund 750 Kilometer entfernte Gemeinde Pleśna im Landkreis Tarnów. Das Ziel der zweiwöchigen Reise war die Renovierung und Instandsetzung der beiden Kriegerfriedhöfe Nr. 159 Meszna Opacka/Lichwin und Nr. 187 Lubinka/Lichwin.
Die Initiative zu diesem Projekt geht auf Oö. Landesfeuerwehrkommandant und Präsident des Österreichischen Bundesfeuerwehrverbandes, Landesbranddirektor Robert Mayer, und seinem Stellvertreter LBD-STV Michael Hutterer, Brigadier a. D. Dr. Johannes Kainzbauer (OÖ Schwarzes Kreuz) sowie Turnusleiter Christian Huemer zurück. Letzterer leitete den Jugendeinsatz gemeinsam mit E-BR Josef Riedl.
In der sich über 84 km² weitläufig erstreckenden Gemeinde Pleśna mit ca. 12.000 Einwohnern befinden sich an die 20 österreichisch-ungarische Soldatenfriedhöfe aus dem Ersten Weltkrieg. Die Grabstätten befinden sich meist auf den zahlreichen, ehemals heiß umkämpften, Hügeln, oft auch versteckt tief im Wald und nur erschwert mit Fahrzeugen erreichbar, sodass das Werkzeug auch per Fußmarsch transportiert werden musste.
Die Unterbringung und die hervorragende Verpflegung der Jugendlichen erfolgte in der Mittelschule Rzuchowa in der Gemeinde Pleśna in Form eines Jugendlagers. Der Tagesablauf bestand darin, dass am Vormittag in Hinblick auf die herrschenden hochsommerlichen Temperaturen, meist über 30 °C, die koordinierten Arbeitseinsätze in zwei Arbeitsteams auf beiden Friedhöfen erfolgten, bestens unterstützt durch die Gemeinde, allen voran Vize-Bürgermeister Ryszard Stankowski und der zuständige Sachbearbeiter Mateusz Dunaj, mit Gerätschaften und Material.
Die Tätigkeiten der Jungfeuerwehrmitglieder im Überblick:
Grünpflege: Wucherndes Gras im und um die Friedhofsbereiche entfernt sowie Zugangswege von Stauden und Sträuchern gesäubert.
Reinigung der Grabkreuze: Grabkreuze mit Drahtbürsten von Moosen und Flechten befreit
Instandhaltung der Zäune: Umzäunung gereinigt, instandgesetzt, imprägniert und mit einer Farblasur versehen
Abfallbeseitigung: Den gesamten Friedhofsbereich von Unrat befreit
Große Herausforderung: Eine dichte, wild wuchernde Strauchhecke am Friedhof Nr. 159 unter Einsatz von Motorsägen entfernt
Malerarbeiten: Sämtliche Inschriften auf den Kreuzen auf beiden Friedhöfen nachlackiert







Ein packender Geschichtsunterricht von E-BR Christian Huemer, ehemals Lehrer an Mittelschulen, weckte bei den Jugendlichen großes Interesse an der humanitären Arbeit. Die Jugendlichen glänzten mit fundiertem Wissen und stellten tiefgründige Fragen zu Soldatenfriedhöfen. Angesichts des nahen Ukraine-Krieges wurde ihnen die bedrückende Aktualität des Themas besonders bewusst.



Für die Jugendlichen aus Oberösterreich wurde der Aufenthalt in Polen zu einer gelungenen Mischung aus Arbeit, Erlebnis und Gemeinschaft. Zu den Höhepunkten zählten Besuche im über 700 Jahre alten Salzbergwerk Bochnia, Stadtbesichtigungen in Tarnów und Krakau sowie eine eindrucksvolle Floßfahrt auf dem Dunajec. Auch der Wintersportort Zakopane am Fuße der Hohen Tatra stand auf dem Programm.

Ein besonderes Highlight war der Austausch mit der polnischen Jugendfeuerwehr FF Szczepanowice. Beim gemeinsamen Abschiedsabend mit Grillen, Tanzeinlagen und dem gesungenen „I am from Austria“ wurde die enge Verbundenheit spürbar. Ein Abend voller Emotionen, der die grenzüberschreitende Kameradschaft und neue Freundschaften eindrucksvoll unterstrich.




Abschlussveranstaltung
Für den Ort der Abschlussveranstaltung am 6. August 2026 wählte man den schattigen Soldatenfriedhof Nr. 187 (Lubinka). Nach der Begrüßung durch EBR Huemer erfolgte das Abspielen der Bundeshymnen von Österreich und Polen. In den Festansprachen von Bürgermeister Józef Knapik, Landesgeschäftsführer Johannes Kainzbauer, Vizemarschall a. D. Stanisław Sorys und Landesfeuerwehrkommandant LBD Robert Mayer wurde dieser Einsatz gewürdigt und den Jugendlichen aus Oberösterreich der besondere Dank für die geleisteten Arbeiten ausgesprochen. Die Redner betonten übereinstimmend die Wichtigkeit dieser Pflegearbeiten als gelebte Friedenserziehung und als bleibende Erinnerung an die Opfer des Ersten Weltkriegs. Begleitet von einer auf dem Akkordeon intonierten Trompetenfanfare und den Klängen des Liedes „Ich hatte einen Kameraden“ wurden am großen Zentralkreuz drei Blumenarrangements der Gemeinde, des Schwarzen Kreuzes und des Oö. Landesfeuerwehrverbandes niedergelegt. Zum Abschluss der Feier sangen die Anwesenden unter der Leitung von Christian Huemer gemeinsam drei Strophen der oberösterreichischen Landeshymne „Hoamatland“.



Nach einem gemeinsamen Abendessen in der Schule wurden im Rahmen eines kleinen Festaktes vom Landesfeuerwehrkommandanten LBD Robert Mayer als Symbol der Dankbarkeit und Anerkennung für die gute Zusammenarbeit zwischen Landesfeuerwehrverband, Schwarzem Kreuz, der Gemeinde Pleśna sowie der Direktorin der Schule in Rzuchowa Auszeichnungen verliehen und Ehrengeschenke überreicht.
Mit dem Versprechen und in Absprache mit dem Schwarzen Kreuz Oberösterreich und dem Oö. Landesfeuerwehrverband in spätestens zwei Jahren wieder zu kommen, endete das Jugendlager, das als Zeichen einer friedensstiftenden, internationalen und humanitären Zusammenarbeit gesehen werden kann.
Gegen das Vergessen – FF Halstenbek/Deutschland und FF Hartkirchen führten Arbeiten am Soldatenfriedhof Hartkirchen durch
Vor 50 Jahren entstand durch die Feuerwehrjugend die Freundschaft zwischen Halstenbek im Bundesland Schleswig-Holstein und Hartkirchen. Was seinerzeit mit ersten Begegnungen begann, entwickelte sich über Jahrzehnte zu einer gelebten Partnerschaft mit gegenseitigen Besuchen und gemeinsamen Aktivitäten.
Im Rahmen des Besuches im August des heurigen Jahres stand neben dem Besuch des Landesfeuerwehrkommandos (LFK) und des Werkes 2 der Firma Rosenbauer sowie einem umfangeichen Freizeitprogramm auch ein Arbeitseinsatz am Soldatenfriedhof Hartkirchen-Deinham auf dem Programm. Mit viel Einsatz wurden Grab- und Gedenksteine sowie das Eingangstor gereinigt. Desweiteren wurden sämtliche Inschriften der Grabsteine nachgezogen. Unterstützt wurde die Aktion durch das Tanklöschfahrzeug RLF der FF Hartkirchen. Das OÖSK bedankt sich an dieser Stelle ganz herzlich bei Brandinspektor Christoph Aichinger für die Organisation und Leitung des Einsatzes. „Die gemeinsame Pflege der Kriegsgräber ist ein besonderes Zeichen für Erinnerung, Freundschaft und Frieden. Was einst durch Grenzen und Krieg getrennt wurde, verbindet heute Menschen über diese Grenzen hinweg“, so Aichinger.







Wo einst Gräben trennten, haben diese jungen Menschen durch ihren Fleiß Brücken gebaut. Ihre freiwilligen Arbeitseinsätze waren weit mehr als nur handwerkliche Tätigkeiten. Sie waren gelebter Friedensgedanke und Respekt vor der Geschichte. Dass dieser Dienst am Frieden zeitgleich an zwei Orten in Europa stattfand, zeigt, wie tief der Gedanke der Völkerverständigung in unserer Jugend verankert ist. Wir sind stolz auf diese beispiellosen Einsätze, die beweisen: Unsere Jugend packt an – für die Erinnerung und für eine gemeinsame, friedliche Zukunft.